Folge 11 mit Dr. Susanne Johna, Erste Vorsitzende des Marburger Bundes

Shownotes

Dass sie Ärztin werden möchte, stand für Dr. Susanne Johna schon mit 15 Jahren fest. Schuld daran war der Vater ihrer besten Freundin, der selbst als Arzt im Krankenhaus arbeitete. Gewerkschaftlich und berufspolitisch engagiert sich die Mutter zweier erwachsener Kinder seit 2013. Seit 2019 ist sie Erste Vorsitzende des Marburger Bundes, seit 2023 Vize-Präsidentin der Bundesärztekammer. In der aktuellen Ausgabe des „G+G Kassentreffens“ spricht Johna mit Linda Peikert und Ralf Breitgoff über den Einfluss und die Rolle einer Gewerkschaft auf Gesundheitspolitik, die anstehende Reformagenda und wie viel Zeit noch bleibt für die Arbeit als Ärztin.

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00:00:02: G&G Kassentreffen Wer kommt, was geht?

00:00:06: Der Podcast von Gesundheit und Gesellschaft zu Trends und Perspektiven in der Gesundheitspolitik.

00:00:13: Hallo Ralf, gesundes neues Jahr.

00:00:15: Bist du denn gut reingekommen?

00:00:16: Danke der Nachfrage dir auch.

00:00:18: Sehr gut, sowohl gesundheitlich als auch sonst so.

00:00:24: Ja,

00:00:31: auch wenn das immer etwas hochdramatisch daherkommt.

00:00:33: Ja, er hat recht.

00:00:35: Die Krankenhausreform soll endlich so richtig scharf geschaltet werden.

00:00:38: Da warten wir alle noch aufs Krankenhausreform-Anpassungsgesetz.

00:00:43: Die Notfallreform soll auf den Weg gebracht werden.

00:00:46: Hier gibt es immerhin schon einen Referentenentwurf.

00:00:49: Ein Primärversorgungs- oder Primärarztversorgungssystem steht auf der To-Do-Liste der Koalition und die Reformkommission zu den Sozialsystemen sollen und wollen hoffentlich auch Ergebnisse liefern.

00:01:03: Vor allem die gesetzliche Krankenversicherung und die Pflegeversicherung pfeifen ja finanziell auf dem letzten

00:01:08: Loch.

00:01:08: Ja, und wir haben heute jemand zu Gast, der diesen Prozess aus gleich zwei Perspektiven begleitet.

00:01:13: Dr.

00:01:14: Susanne Jonah ist Vizepräsidentin der Bundesärztekammer.

00:01:18: Vor allem ist sie aber erste Vorsitzende der Ärztinnen- und Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund.

00:01:23: Sie ist in Duisburg geboren, hat Ende der Achtzigerjahre in Münze studiert und in Osnabrück die Ausbildung zu Fachärztin für innere Medizin absolviert.

00:01:32: Dann ging es an eine Klinik in Wiesbaden.

00:01:34: Seit Jahrzehnte leitet sie als Oberärztin das Hygieneteam des St.

00:01:38: Joseph-Hospitals in Rüdesheim.

00:01:39: Seit Jahrzehnte ist Susanne Joner Erste Vorsitzende des Marburger Bunts.

00:01:42: Seit Jahrzehnte ist Susanne Joner Erste Vorsitzende des Marburger Bunts.

00:01:45: Seit Jahrzehnte ist Susanne Joner Erste Vorsitzende des Marburger Bunts.

00:01:48: Seit Jahrzehnte ist Susanne Joner Erste Vorsitzende des Marburger Bunts.

00:01:51: Seit Jahrzehnte ist Susanne Joner Erste Vorsitzende des Marburger

00:01:52: Bunts.

00:01:52: Seit Jahrzehnte ist Susanne Joner Erste Vorsitzende des Marburger Bunts.

00:01:56: Seit Jahrzehnte ist Susanne Joner

00:01:57: Erste Vorsitzende des Marburger Bunts.

00:01:58: Seit Jahrzehnte ist Susanne

00:01:59: Joner Erste Vorsitzende des Marburger Bunts.

00:02:00: Seit Jahrzehnte ist Susanne Jon.

00:02:03: Herzlich willkommen, Frau Dr.

00:02:04: Jona, oder besser gesagt schön, dass wir hier sein dürfen, dass Sie uns reingelassen haben.

00:02:08: Wir sind nämlich heute in der Geschäftsstelle, der Berliner Geschäftsstelle des Marburger Bundes in der Reinhardstraße und nicht in unserem Studio.

00:02:17: Ja, sehr gerne, wir freuen uns, dass Sie bei uns sind.

00:02:19: Frau Dr.

00:02:19: Jona, was hat Sie denn in die Medizin getrieben?

00:02:22: Also warum wollten Sie Ärztin wahr werden?

00:02:25: Das ist ein toller Beruf.

00:02:27: Ich hatte Kontakt tatsächlich schon als junger Mensch.

00:02:31: Der Vater meiner besten Freundin in der Schulzeit war Gynäkologe, hat als Chefarzt am Krankenhaus gearbeitet und gelegentlich hatte er uns mal mitgenommen.

00:02:41: Da hab ich dann schon mich mit fünfzehn, sechzehn entschieden, dass ich diesen Beruf auch unbedingt ergreifen will und hab das auch nie bereut.

00:02:50: Wir haben vorher in unserer anderen Moderation schon angedeutet, umfassendes Engagement auch Standes- und Gewerkschaftspolitisch bei Ihnen zum beruflichen Ansteht.

00:03:01: Wie viel Zeit bleibt Ihnen eigentlich noch neben dem gewerkschaftlichen und standespolitischen Engagement für Ihre Arbeit und als Ärztin?

00:03:08: Ja, das ist tatsächlich über die Jahre weniger geworden.

00:03:11: Ich bin jetzt nur noch etwa einen Tag in der Woche in der Klinik einen Tag heißt.

00:03:17: Ich bin auch mal zwei, drei Tage am Stück, aber dann auch mal ein, zwei Wochen nicht.

00:03:20: Ich hab insofern zwar noch Klarkontakt in die Klinik, aber so viel für die direkte ärztliche Tätigkeit ist es leider nicht mehr.

00:03:30: Gleichzeitig bin ich aber auch froh, dass ich die Möglichkeit habe, dass Engagement in der Berufspolitik auch mit ausreichender Zeit zu machen.

00:03:39: Ich finde es ja auch mal toll, wenn gerade Frauen auch in die Berufspolitik gehen.

00:03:42: Insgesamt wird ja auch die Medizin immer weiblicher, also sowohl bei der Zeit der Studierenden, aber auch bei den erfolgreichen Abschlüssen, findet dieser Trend dann insgesamt ihrer Ansicht nach inzwischen ausreichend Berücksichtigung im Gesundheitssystem.

00:03:57: Na ja, ist die Frage, was wir mit Berücksichtigung meinen.

00:04:00: Also die jungen Kolleginnen sind ja in der Überzahl sowohl bei den Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung als auch mittlerweile bei denen beispielsweise eine Doktorarbeit machen.

00:04:10: Das war ja lange Zeit da auch noch etwas weniger.

00:04:14: Aber wir sehen schon, auch als Marburger Bund, mit Sorge, dass da offensichtlich immer noch ein Problem ist in der Gleichberechtigung, in der Karriereaus Sicht, weil eben immer noch bei den Oberärzten und erst recht bei den Chefärzten und bei den Professuren Frauen viel geringer vertreten sind.

00:04:32: Und leider hören wir von unseren Mitgliedern auch immer wieder Geschichten, woran das liegt.

00:04:37: Und das liegt manchmal auch, wenn die Ausschreibung so schön klingt, bevorzugt werden Frauen eingestellt daran, letztlich die.

00:04:44: Netzwerke dahinter schon sehr aktiv waren und die Verteilung eigentlich schon aktiv stattgefunden hat.

00:04:51: Und deswegen ist mir besonders wichtig, auch als Vorsitzende des Marburger Bundes und als Frau, den jungen Kolleginnen zu sagen, ihr könnt das erreichen.

00:05:00: Ihr müsst auch bereit sein, hier zu sagen, Hut in den Ring zu werfen, auch nicht daran verzweifeln, wenn mal irgendeine Bewerbung vielleicht für eine Chefarztposition oder eine andere Position nicht geklappt hat.

00:05:11: Dann den nächsten Ansatz, weil ich finde, wir dürfen als Frauen erst nicht dem Vorschub leisten, was ich immer mal wieder höre.

00:05:17: Wo es dann heißt, na ja, Frauen bewerben sich ja gar nicht.

00:05:20: Inwieweit kann man das vielleicht auch strukturell beeinflussen?

00:05:23: Naja, als Marburger Bund haben wir irgendwann gesagt, wir legen ganz klar fest, dass in den Vorstand haben wir eine Frauenquote eingeführt.

00:05:30: Das ist natürlich immer ein Schritt, um voran zu kommen, sag ich mal, damit auch wirklich geschaut wird, wo sind junge engagierte Frauen.

00:05:39: Das ist sicher wichtig und gleichzeitig Wer ist natürlich auch wichtig, dass Frauen in der Medizin ein Stück weit auch den Schritt gehen und sagen, auch unsere Netzwerke sind ganz wichtig, aber dafür brauchen sie natürlich eine gewisse Menge.

00:05:55: Also, ich sag mal, zwei Frauen unter zehn, da können die beiden noch so gut zusammen harmonieren und sich unterstützen.

00:06:02: Das reicht dann einfach

00:06:04: nicht.

00:06:04: Der Marburger Bund ist ja die gewerkschaftliche Gesundheits- und berufspolitische Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.

00:06:15: So steht es in der Satzung.

00:06:16: Ich habe es mir aufgeschrieben.

00:06:19: In der öffentlichen Wahrnehmung werden Sie möglicherweise mitunter auf den Krankenhausbereich reduziert in Ihrem Engagement.

00:06:28: Mutmaßlich, weil dort die Zahl der angestellten Ärzte etwas höher ist.

00:06:33: Stört Sie das?

00:06:34: Und wie wollen Sie das gegebenenfalls ändern?

00:06:36: Naja, also es stört uns nur insofern, als es nicht die ganze Breite abbildet.

00:06:41: Natürlich ist es so, dass die meisten unserer hundred-sieben-vierzicht-tausend Mitglieder aus dem Bereich des Krankenhauses kommen.

00:06:49: Das ist so.

00:06:51: Aber wir haben immer mehr Mitglieder auch, die als Angestellte im ambulanten Bereich arbeiten, die als Angestellte in anderen Bereichen natürlich auch arbeiten.

00:06:59: Ich nenne mal einen öffentlichen Gesundheitsdienst.

00:07:01: Es gibt ja viele Bereiche, in denen Ärztinnen und Ärzte angestellt arbeiten.

00:07:06: die wir selbstverständlich vertreten.

00:07:08: Und wir haben auch eine Arbeitskreisambulante Medizin.

00:07:11: Wir haben also viel Engagement auch in diesem Bereich.

00:07:14: Ich glaube, man wird das über die Zeit auch immer mehr wahrnehmen, dass wir auch eben diese Mitglieder vertreten.

00:07:21: Wir haben leider aus unserer Sicht bisher noch keine gewerkschaftlichen Möglichkeiten für die Kolleginnen und Kollegen Tarifvertrag zu verhandeln.

00:07:29: Aber der Muster-Tarifvertrag oder der Muster-Arbeitsvertrag, den wir für immer ambulanten Bereich angestellte Ärzte, zum Beispiel auf unserer Homepage eingestellt haben, gehört zu den Dingen, die am häufigsten abgerufen werden.

00:07:43: Also da wird schon auch bei uns geschaut, wahrscheinlich nicht nur von den Angestellten, sondern auch von den Ärztinnen und Ärzten, die dann Kollegen anstellen.

00:07:53: Auch die sind ja froh, wenn sie da einen Muster haben, an dem sie sich entlang abarbeiten können.

00:07:59: Insofern, ja, wichtiges Thema auch für uns.

00:08:01: Also helfen Sie mir noch mal ein bisschen auf die Sprünge.

00:08:03: Ich habe Sie richtig verstanden.

00:08:04: Im direkten tariflichen Ansprechpartner im ambulanten Bereich haben Sie nicht, weil Sie nicht mit jeder Einzelpraxis verhandeln können.

00:08:13: Deswegen gibt es den Tarifvertrag, den Mustertarifvertrag.

00:08:17: Gibt es irgendwelche Tendenzen, dass sich daran was ändern könnte, obwohl sowas wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung oder der Wirchubund oder der Hautsärzteverband, der vielleicht als erstes ein tariflicher Ansprechpartner sein könnte?

00:08:30: Bisher nicht.

00:08:31: Nein, bisher nicht.

00:08:32: Es gibt einen Musterarbeitsvertrag, wie gesagt.

00:08:35: Aber um einen Tarifvertrag zu erarbeiten, brauchen Sie ja einen irgendwie gearteten Arbeitgeberverband.

00:08:42: Genau wie Sie sagen, weil Sie nicht das mit jeder Einzelpraxis machen können.

00:08:46: Den gibt es derzeit nicht.

00:08:47: Unsere Idee ist natürlich jetzt zunächst, über medizinische Versorgungszentren einzusteigen.

00:08:53: Da sind wir dran.

00:08:54: Aber die Angestellten Ärztinnen und Ärzte haben ja nicht nur ein Tarifthema, die haben auch viele andere Themen, die spezifisch ... für sie sind und wichtig sind.

00:09:03: Aber natürlich ist in den nächsten Jahren die Krankenhausreform, die ansteht für uns ein ganz zentrales Thema.

00:09:12: In diesem Jahr, im nächsten Jahr und unsere Tarifverhandlungen im Klinikbereich sind uns sehr wichtig und wir werden jetzt in diesem Jahr mit der Tarifgemeinschaft der deutschen Länder einen neuen Tarifvertrag ausarbeiten.

00:09:25: Das ist sicher eine ganz wichtige Aufgabe.

00:09:28: Sehr viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten da.

00:09:30: Und leider müssen wir feststellen, dass unser derzeitiger Tarifvertrag schon nicht komplett umgesetzt wird.

00:09:37: Und gerade bei den öffentlichen Arbeitgebern oder bei der Tarifgemeinschaft der Länder, wundert man sich ja schon, dass sie eine Unterschrift unter einen Vertrag setzen, den dann aber nicht so umsetzen.

00:09:49: Und deswegen haben wir auch eine Einwirkungsklage gegen die Tarifgemeinschaft der Länder eingereicht.

00:09:53: Das haben wir zum ersten Mal gemacht.

00:09:55: macht, da wird es im März einen ersten Verhandlungstermin geben.

00:09:58: Ihr Präsidiumskollege bei der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt hat ja das Jahr im Jahr zwanzig als mögliches Schlüsseljahr in der Gesundheitspolitik bezeichnet.

00:10:08: Teilen Sie diese Einschätzung und vielleicht auch aus der Perspektive jetzt als Gewerkschafterin, welche Rolle will da der Marburger Bund spielen in diesem Schlüsseljahr?

00:10:18: Sicher wird das ein ganz wichtiges Jahr sein, ob es dann am Ende ein Schüsseljahr wird.

00:10:23: Füchtig werden wir erst im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr ist.

00:10:26: Denn natürlich ist ja unser Anspruch und unser Wunsch ja auch, dass die Reformen vorankommen.

00:10:32: als Marburger Bund.

00:10:34: ist unsere Rolle, glaube ich, ganz klar.

00:10:36: Wir vertreten den größten Teil, der Ärztinnen und Ärzte, die berufstätig sind.

00:10:41: Und das ist auch unser Anspruch, insofern bezüglich der Rolle, die wir in diesem Kontext spielen.

00:10:47: Wir bringen unsere Positionen ein.

00:10:50: Wir haben immer den Anspruch, nicht nur zu sagen, was uns gefällt und uns nicht gefällt, sondern eben auch zu sagen, wie stellen wir es uns denn richtiger vor, wenn uns irgendwas nicht gefällt, diesen Anspruch zu erfüllen.

00:11:03: es nicht immer so einfach, weil das natürlich voraussetzt, dass sie im Verband dann auch eine Position erarbeiten.

00:11:09: Deswegen machen wir zweimal im Jahr auch weiterhin unsere Hauptversammlung und integrieren unsere Mitglieder darüber.

00:11:16: Die gewählten in den Hauptversammlungen, aber auch in den Landesverbänden vor Ort mit sehr vielen Veranstaltungen, um eben auch wirklich die Position der Mitglieder dann in die Position des Verbandes nach außensichtbar zu machen.

00:11:30: Ein großes Problem sind die Finanzen im System.

00:11:33: Insbesondere gesetzliche Krankenversicherungen klagt über hohe Ausgabenlasten.

00:11:40: Die Beiträge steigen insbesondere in den vergangenen zwei Jahren recht stark.

00:11:44: Inwieweit hat das Auswirkungen auf die Tarifpolitik des Marburger Bundes?

00:11:50: Wo wären Sie bereit, möglicherweise zur Entlastung Abstriche zu

00:11:54: machen?

00:11:56: Also zunächst mal erstaunt mich, dass wir bei der GKV-Problematik, die es natürlich gibt und strittig, so isoliert auf die Ausgabenseite schauen.

00:12:06: Und bei der Ausgabenseiten-Diskussion auch noch isoliert in den Kernprozess der Patientenversorgung.

00:12:12: In meiner festen Überzeugung haben wir ein relevantes Einnahmeproblem und das wird in den nächsten Jahren steigen.

00:12:18: Wir haben jedes Jahr jetzt etwa eine Million Erwerbstätige, die in die Rente gehen, einfach weil die Babyburema ausscheiden.

00:12:27: Die sind am Ende ihrer Karriere, zahlen in der Regel insofern hohe Beiträge und werden nur zu... knapp achtzig Prozent ersetzt durch junge, die ins Arbeitsleben einsteigen und in der Regel nicht so hohe Beiträge zahlen können.

00:12:42: Das heißt, wir haben jedes Jahr eine relevante Lücke zwischen denen, die rausgehen und reinkommen.

00:12:48: Und das wird in den nächsten Jahren noch mehr werden.

00:12:50: Das Problem wird, der Einnahmen der GKV wird anwachsen.

00:12:54: Darüber diskutieren wir viel zu wenig, weil wir können auf der Ausgabenseite gar nicht so viel sparen, diese Einnahmenverluste auszugleichen.

00:13:02: Und deswegen braucht es der GKV ernsthafte Strukturreformen.

00:13:06: Wir müssen kurzfristig Dinge machen, da ist es auch richtig in die Ausgabenseite zu gucken.

00:13:13: Aber wir brauchen strukturelle Reformen und dazu gehört für uns noch in dem kurzfristigen Bereich die Herausnahme der Versicherungsfremdenleistung und die Überlegung, ob noch alle dieser Versicherungsfremdenleistungen weiter fortgeführt werden sollen.

00:13:28: Ich nenne mal das Beispiel Ehegatten mit Versicherungen.

00:13:33: ist das etwas, was wir auf Dauer wollen.

00:13:36: Dann gehört es in den steuerlichen Bereich.

00:13:39: Oder kann man darüber diskutieren, ob das noch sinnvoll ist, dass Kinder mitversichert werden sollen, halten wir für unstrittig wichtig.

00:13:46: Ich deute damit an, es reicht nicht, auf die Ausgabenseite zu gucken und schon gar nichts zu sagen.

00:13:51: Naja, jetzt muss das Personal aber mal irgendwie das Geld dafür mitbringen, dass es der Krankenversicherung besser geht.

00:13:56: Das ist nicht unser Ansatz und deswegen werden wir auch weiter unsere Tarifforderung klar formulieren.

00:14:02: Versicherungswärmte Leistung, da sind sich fast alle Player im System einig, dass da was passieren muss.

00:14:07: Ich bin auch sehr gespannt, was da im Sommer rauskommt, wenn die ganz großen Kommissionen getagt haben und ihre großen Pläne veröffentlichen wollen.

00:14:18: Lassen Sie so ein bisschen jetzt auf Gesundheitsreformen kommen, die anstehen.

00:14:25: Sie fordern insbesondere aus gewerkschaftlicher Sicht Nachbesserung am Krankenhausreformanpassungsgesetz.

00:14:30: Kurz KHG, wo liegen die Knackpunkte aus ihrer Sicht des Gesetzes?

00:14:35: Hängt ja jetzt im Moment so ein bisschen.

00:14:36: Kommt nicht voran.

00:14:38: Ja, Knackpunkt ist sicherlich die Finanzierung.

00:14:41: Also ich ... diese Idee ... Die DIGs, also die Fallpauschalen jetzt mit Vorhaltepauschalen zu kombinieren, war ja erst mal eine gute.

00:14:52: Das klang erst mal sinnvoll, entspricht übrigens auch unserem Konzept, dass wir als Marburg-Urbund in den Jahr- und Neunzeiten rausgegeben haben, wie wir uns eine Krankenhausreform vorstellen.

00:15:02: Da haben wir auch gesatzbraucht Vorhaltefinanzierung.

00:15:05: Bei uns war damit im Wesentlichen die Personalkosten gemeint.

00:15:10: Gut, wir wissen, die Pflege ist ausgegliedert aus dem Budget, aber was jetzt als Vorhaltekostenfinanzierung kommt, hat... diesen Namen, diesen Titel schon gar nicht verdient, weil es werden eben nicht Vorhaltekosten gegenfinanziert, sondern es ist eine kombinierte Vergütung nach Schweregrad, nach Fallzahlen, nach dem, was man in den Vorjahren in den Kliniken geleistet hat, prognostiziert auf die Zukunft.

00:15:34: und dann zudem auch noch in der Spanne zwischen achtzig und hundertzwanzig Prozent der Leistung, die man in den Vorjahren geleistet hat, bekommt man es gleiche Geld.

00:15:42: Also hochkomplex, Wir nennen das DRG zum Quadrat mit enormen Anforderungen wieder an die Dokumentation.

00:15:53: Als Marburger Bund sind wir seit Einführungen der Fallpauschalen gegen das DRG-System.

00:15:58: Aber mittlerweile sagen wir ein Stück weit, wir hätten gerne unser ursprüngliches Problem zurück, dass die Vorhaltekostenfinanzierung keine gute Idee ist, so wie sie kommt.

00:16:07: Das sagen die Allermeisten, mit denen man über das Thema spricht.

00:16:12: Nur viele sagen, wo ist die Alternative?

00:16:14: Und wenn man aber sagt, das, was wir noch nicht eingeführt haben, ist keine gute Idee und sich da einigermaßen einig ist, dann wird es jetzt Zeit, sich zusammenzusetzen und zu sagen, wie wäre es sinnvoll, die Finanzierung aufzustellen, noch ginge es?

00:16:27: Denn richtig greifen wird die Finanzierung ja erst deutlich nach Umstellung der Leistungsgruppe.

00:16:32: Sie als Marburger Bund haben im Zusammenhang mit dem KHAG auch noch Probleme, sehen es skeptisch.

00:16:40: zum Thema Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, Arbeitnehmerüberlassung.

00:16:45: Wo drückt sie da der Stuhl?

00:16:46: aus meiner ersten Perspektive?

00:16:48: Wie würde ich sagen, Klinikärztinnen und Ärzte sind ja keine klassischen Leiharbeiter, zu deren Schutz diese entsprechenden Regelungen ja mal eingeführt wurden?

00:16:56: Nee, das Problem ist gerade leider bei den jungen Kolleginnen und Kollegen.

00:17:01: Das heißt, Ärzte in Weiterbildung werden ja durch die Krankenhausreform insofern deutlich beeinflusst werden, als dass an den Krankenhäusern ja durch diese feine Differenzierung der Leistungsgruppen häufig nicht mehr eine volle Weiterbildungsbefugnis erteilt werden kann.

00:17:19: Also ich sage das Beispiel Orthopädie und Unfallchirurgie.

00:17:23: Wenn da ein Krankenhaus von den Leistungsgruppen zwei oder drei nicht bekommt, kann natürlich keine volle Befugnis erteilt werden.

00:17:29: Damit ist klar, die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung werden viel mehr noch als heute in der Weiterbildung auch zwischen verschiedenen Arbeitgebern wechseln müssen.

00:17:39: Ideal stellen wir uns als Marburger Bund sogenannte Verbundweiterbildungen vor, wo dann Vielleicht zwei, drei Kliniken, vielleicht ein, zwei Niedergelassene zusammen, einen Verbund bilden und sagen, so, wir können das ganze, den ganze Breite des Faches abbilden.

00:17:56: Und wenn die Kollegen durch diese, durch diesen Bereiche gehen und die sollten natürlich regional sein, dann können die die volle Weiterbildung erwerben.

00:18:05: Das geht aber nur idealerweise mit einem Arbeitsvertrag.

00:18:10: Denn wenn die jetzt fünfmal oder Von mir ist auch nur dreimal den Arbeitsvertrag wechseln müssen.

00:18:15: Die drei Mal in der Probezeit haben drei verschiedene Verträge, müssen sich dreimal von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen und so weiter.

00:18:22: Das ist also wieder Bürokratie zum Quadrat.

00:18:26: Also viel besser wäre ein Arbeitsvertrag.

00:18:30: anderen können das untereinander regeln, die Verteilung.

00:18:33: Das geht aber nur mit der Genehmigung von Arbeitnehmerüberlassung.

00:18:37: Für die befristete Zeit der Weiterbildung.

00:18:39: Nur darum geht es.

00:18:41: Es gibt jetzt schon ein Gesetz für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, sonst könnte man so einen Vertrag gar nicht auf sechs Jahre befristen.

00:18:47: Und in das Gesetz kann das rein.

00:18:49: Dieses Gesetz, das wir jetzt haben, ist ... eigentlich ungünstig für Erzählen, Weiterbildung.

00:18:54: Jetzt könnte man mal einen Pass ausreinnehmen, der für die sinnvoll ist und wir alle müssen doch Interesse haben, unsere jungen Kolleginnen und Kollegen gut weiterzubilden und den nicht noch zusätzlichen Bürden zu geben.

00:19:06: und kleiner Nachsatz im Moment, wenn wir nichts ändern, haben wir eine einseitige Bevorzugung der großen Player im System.

00:19:13: Also die großen Klinikketten können jetzt schon, wenn sie zum Beispiel einen Arbeitsvertrag gegeben haben für Asclepiosedios wäre auch immer.

00:19:23: Sana, dann könnten die innerhalb der Kliniken die Kollegen verschicken.

00:19:28: Ohne steuerliche Probleme, das kann doch nicht sinnvoll sein, hier eine einseitige Überforderung zu haben.

00:19:33: Das sind wir schon mal bei den Fachärzten.

00:19:35: In einem Primärversorgungssystem bzw.

00:19:37: dem Primärarztsystem soll ja künftig in der Regel der Hausarzt oder die Hausärztin entscheiden.

00:19:43: ob ein Besuch beim Facharzt nötig ist oder nicht.

00:19:47: Wie werden sie diese Pläne der Bundesregierung und könnte das auch zu einer Schwächung der Fachärzte führen?

00:19:54: Also zunächst mal haben wir die Idee einer Primärversorgung für richtig und wichtig.

00:19:59: Genauso wie wir, weil wir vorhin gesprochen haben, bei Krankenhausreformen auch die Krankenhausreform für wichtig und richtig halten.

00:20:05: Sie muss nur... angepasst werden aus unserer Sicht.

00:20:08: Also Primärversorgung ist richtig, die einzuführen ist richtig.

00:20:12: Und da sind sich ja auch die meisten einig.

00:20:14: Aber auch da wieder die Frage, wie genau.

00:20:16: Fachärztinnen und Fachärzte, genauso wie Hausärzte und auch Krankenhausärzte klagen ja alle nicht darüber, dass sie zu wenig zu tun hätten.

00:20:24: Wir haben ja alle eher das Thema, wie können wir die Patientenversorgung so strukturieren, dass Patienten auch möglichst, wenn es nötig ist, kurzfristig Termine bekommen.

00:20:35: Deswegen ist die Steuerung sinnvoll.

00:20:38: Das Hausärzte und Hausärzte, da die entscheidenden Player sind, ist, glaube ich, auch unstrittig.

00:20:43: Natürlich auch die grundversorgenden Fachärzte aus unserer Sicht.

00:20:46: Und dann geht es ja um die Frage verschiedener Patientenkliäntele, also der, der zum ersten Mal jetzt oder... Jahre lang kein gesundheitliches Problem hatte, jetzt eins hat, ist anders einzuschätzen als jemand, der als Chroniker mit vier, fünf verschiedenen Erkrankungen immer wieder im medizinischen Kontakt ist.

00:21:07: Aber gerade die akuten Themen, die jetzt ohne große Begleiterkrankungen... kommen, die sollten sinnvoll durch das System gesteuert werden.

00:21:16: Das ist für die Patienten wichtig, aber auch für die Ärzte, die natürlich auch frustriert sind, wenn sie immer wieder Patienten sehen, wo man eigentlich sagt, na ja, den hätte ich jetzt eigentlich nicht sehen müssen als Fachärzt, der braucht meine, oder die Patientin braucht meine Fachärztliche Expertise gar nicht.

00:21:33: Da ist es sinnvoller, dann bei den Hausärzten versorgt zu werden und da sind wir beim Thema versorgt zu werden, nicht nur gesteuert, sondern es geht dann auch darum, dass Hausärzte möglichst viele dieser Patienten, wenn es immer geht, fallabschließend behandeln.

00:21:47: Deutschland gönnt sich im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Ländern diese sogenannte doppelte Facharztschiene.

00:21:55: Also Fachärzte nicht nur an den Kliniken, wo sie ja auch im Regelfall ausgebildet werden, sondern auch im niedergelassenen Bereich.

00:22:01: Hat das so ein Konzept vor dem Hintergrund einer Primärvorsorgung, wie sie auch immer nachher aussieht, überhaupt noch eine Zukunft, die Kassen kritisieren, die doppelte Facharztschiene ohnehin seit Jahren schon als zu teuer ineffizient.

00:22:16: Also

00:22:16: ich sehe jetzt gar nicht, dass es dadurch zu teuer wird.

00:22:19: automatisch, denn die Länder, die keine sogenannte doppelte Facharztschiene haben, jetzt kann man über den Begriff ohnehin schon streiten, die haben ja in der Regel große Ambulanzen an den Krankenhäusern, die wir viel weniger haben.

00:22:34: Insofern der Bedarf, der Versorgung.

00:22:37: Ambulant im fachärztlichen Bereich ist ja da.

00:22:39: Das ist klar, das machen, strukturieren andere Länder anders.

00:22:42: Also, hier ändert aber nichts an der Tatsache.

00:22:45: Und dass die Versorgung dadurch günstiger würde, dass sie nur noch am Krankenhaus stattfindet, das ist ja auch so nicht.

00:22:54: Es ist richtig, dass diejenigen die fachärztliche Behandlung brauchen, wo immer es ambulant möglich ist, die auch ambulant bekommen.

00:23:01: Und dazu gehören sowohl die leichteren als auch die schwereren Fälle.

00:23:04: Ich meine, ein onkologischer Patient, ist halt froh, wenn er einen relevanten Teil der Therapien ambulant machen kann, beispielsweise das sind schwerwiegende Therapien, aber wo immer das geht, sollte das ambulant stattfinden.

00:23:19: Insofern halten wir das, ja, wird, glaube ich, an diese Diskussion doppelte Facharztschiene viel zu viel Inhalt dran gehängt.

00:23:29: Es ist anders in Deutschland, aber auch viele andere Sachen sind anders strukturiert.

00:23:33: Und wir sehen ja immer mehr auch, dass Fachärzte und Fachärzte auch nicht mehr als die einen, die One-Man-One-Women-Show niedergelassen sind, sondern sind ja immer häufiger Kollegen, die sich auch zusammenschließen.

00:23:45: Das ist sicher auch im Sinne der Patienten.

00:23:48: Okay, dann nochmal ein Blick auf das kommende Jahr, auf das eventuelle Schlüsseljahr, wer weiß.

00:23:53: Welche Reformen würden Sie denn sofort umsetzen, wenn Sie da echt einen großen Spielraum hätten?

00:23:57: Wenn Sie jetzt einfach mal, ich wünsche mir was.

00:24:01: Ja, ich wünsche mir was.

00:24:02: Also, das KHAG muss jetzt auf die Schiene idealerweise noch mit Verbesserung, aber je länger jetzt... die Krankenhäuser so im Ungewissen sind und immer noch nichts ganz Eindeutiges auf dem Tisch liegen haben.

00:24:16: Und eindeutig heißt ja am Ende die Tabelle der Leistungsgruppen mit den Qualitätsvoraussetzungen.

00:24:21: Desto schwieriger ist es natürlich auch zu planen.

00:24:24: Desto schwieriger ist es auch und diese Unsicherheit erleben wir natürlich auch im Personal bis hin zu Kliniken, die seit ... Seit wir über das KFVVG diskutieren, sagen wir, investieren mal gerade gar nichts mehr in Gebäude, in Struktur, weil wir ja gar nicht wissen, ob wir in drei Jahren noch am Netz sind.

00:24:41: Also wir haben da einen Stillstand, der muss jetzt endlich aufgehoben werden.

00:24:46: Insofern hoffen wir, dass es noch gute und sinnvolle Änderungsanträge zum KHAG gibt, zum Beispiel Thema Arbeitnehmerüberlassung.

00:24:55: und halten es für wichtig, dass das Gesetz dann umgesetzt wird, damit die Länder endlich in die Planung und die Vergabe der Leistungsgruppen einsteigen können.

00:25:02: Ganz, ganz wichtig das Thema Notfallversorgung.

00:25:06: Also es ist schon maximal frustrierend jetzt in der dritten Legislatur.

00:25:11: Dieses Thema vor sich zu haben, jetzt sagen wir in Deutschland ja oft, alle guten Dinge sind drei, aber wenn es dann am Ende so ist, okay, aber wirklich jetzt das brauchen wir zügig.

00:25:21: Das sind jetzt sicher aus meiner Sicht die am dringlichsten umzusetzenden Gesetze, die aber ja auch aufgegleist sind.

00:25:29: Das muss man sagen.

00:25:30: Also Frau Waken hat ja viele Züge aufgegleist.

00:25:35: angekommen sind noch nicht so viele, aber sie werden hoffentlich alle ankommen.

00:25:38: Das ist glaube ich wichtig, aber man muss schon auch sagen, sie hat natürlich auch wirklich eine schwierige Situation übernommen, einfach eine Situation, wo haben wir ja vorhin darüber gesprochen, wo die Finanzen extrem knapp sind und wo es große wirklich strukturelle Reformen brauchen.

00:25:54: Ich glaube, da muss man der Bevölkerung auch einen Wein einschenken und nicht Hier ein bisschen, es hilft uns nicht, jetzt diese Mini-Schritte zu gehen, dass wir eine strukturelle Reform in der GKV-Finanzierung angehen und so eben auch strukturelle Reformen in vielen Bereichen.

00:26:12: Aber mich beschäftigen nicht nur die einzelnen Gesetze, sondern zu sagen, Versorgung muss sinnvoll für die Patientinnen und Patienten regional stattfinden, so dass sie nicht permanent das Gefühl haben, sie sind unterversorgt.

00:26:35: Meistens sind sie es ja gar nicht, aber wir müssen den Patienten auch klar machen, welche Versorgung sinnvoll ist.

00:26:41: Die Primärversorgung wird nicht viel Geld einsparen, aber sie wird eine strukturiert sinnvolle Versorgung.

00:26:48: bieten für Patienten.

00:26:50: Die Notfallreform wird ein bisschen Geld einsparen, aber auch nicht unmengen.

00:26:54: Aber sie wird hoffentlich erreichen, dass die Patienten, die wirklich dringlich im Krankenhaus versorgt werden müssen, da auch schnell versorgt werden können.

00:27:04: Und die, die es nicht brauchen, idealerweise schon über die Ersteinschätzung vorher rausgefiltert werden und gar nicht erst da landen.

00:27:12: Und hoffentlich damit auch diese Aggressionspotenzial, was wir als Krankenhausärzte in den Notaufnahmen erleben, entlastet wird.

00:27:20: Also diese sinnvolle Strukturierung ist wichtig, aber wir müssen hoffentlich, sind wir uns auch alle einig, dass wir Versorgung weiter niedrigschwellig und regional stattfinden lassen wollen.

00:27:33: Alle reden über Spezialisierung, die ganz wichtig ist.

00:27:36: Aber die Grundversorgung und das, was häufig ist, ist nun mal häufig, die muss vor Ort gut strukturiert sein.

00:27:47: Rolle sehen Sie für die Gewerkschaften, insbesondere jetzt für den Marburger Bund, in der Zukunft, in der Gesundheitspolitik?

00:27:54: Die Rolle ist wichtig, weil wir die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vertreten in ihren berechtigten Interessen einer guten Vergütung, einer guten Strukturierung ihrer Arbeitsbelastung.

00:28:10: Insbesondere Letzteres ist ja etwas... wo wir in den letzten Jahren, Gott sei Dank, als Marburger Bund einiges erreichen konnten.

00:28:17: Im Sinne von Strukturierungen, von Bereitschaftsdiensten, von Schichtdiensten, von klarer Festlegung von zwei Wochenenden, freien Wochenenden im Monat, da sagt ja der normale Arbeitnehmer, das ist ja komisch, dass wir überhaupt darüber diskutieren müssen, dass auch Ärztinnen und Ärzte ein Anrecht mal auf ein freies Wochenende haben.

00:28:39: Aber so ist es nun.

00:28:40: Insofern glauben wir, Nach wie vor, dass das sehr wichtig ist und wir sind auch der festen Überzeugung, dass unsere erfolgreichen Tarifverträge dazu beitragen, dass junge Kolleginnen und Kollegen im Land bleiben und nicht den vielen The Grass is Greener on the Other Side Verlockungen anderer europäischer Länder folgen, die ja eben auch Ärzte-Mangel haben.

00:29:05: Insofern ist es wichtig, den Personal gute Arbeitsbedingungen zu bieten.

00:29:10: Und deswegen sehen wir auch mit Sorge ein bisschen die Diskussion, die jetzt so aufpoppt unter dem Schlagwort Produktivitätsverlust.

00:29:20: Im Sinne von, wir haben mehr Personal in den Krankenhäusern, in der Pflege, insbesondere aber auch im ärztlichen Bereich, und haben ja doch weniger Fälle als im Jahr zwei Tausend Neunzehnten, also vor der Pandemie.

00:29:32: Komplett vergessen wird dabei, dass die ... Vorgaben, die drumherum um die Patientenversorgung stattfinden, kontinuierlich steigen.

00:29:43: Also die Dokumentationslast, die Prüflast in der Regel beschäftigen, größere Abteilungen mittlerweile sozusagen halben Oberarzt, nur dafür, sich mit dem medizinischen Dienst in irgendeiner Form zu befüllen.

00:29:57: beschäftigen.

00:29:59: Also diese Belastung um die Patientenversorgung nimmt immer mehr zu und deswegen glauben wir auch, dass das ein entscheidender Punkt sein wird, um Geld tatsächlich einzusparen, um Personal tatsächlich zu entlasten, indem wir da mal richtig entrümpeln, den Mut braucht man, den Mut braucht Frau Waken, das ist nicht einfach, weil immer so die Vorstellung existiert, je mehr wir kontrollieren, desto weniger Geld wird ausgegeben.

00:30:28: Ich glaube mittlerweile sind wir an dem Punkt, dass genau das Gegenteil der Fall ist, wir geben für die Kontrolle mehr Geld.

00:30:34: aus, als wir vermeiden können, bei irgendwo immer potenziell vorhandenen ein paar Schwarzen scharfen.

00:30:41: Aber wenn sie hundertweise massiv damit belasten, dass eine Schwarze zu entdecken, dann ist das eine Feelinvestition von Geld und Zeit.

00:30:52: Und da müssen wir endlich echte Strukture formen, auch da.

00:30:57: Los treten und tatsächlich umsetzen.

00:31:00: Wir reden alle über Endbürokratisierung keiner Macht, sondern das Gegenteil passiert.

00:31:05: Und darüber klagen die Kollegen, denn sie wollen ja Patienten versorgen und eben nicht die Zeit mit anderen Dingen verbringen.

00:31:15: Die Bundesärztekammer hat ja ein ärztliches Personal-Bemessungssystem entwickelt.

00:31:20: und hat hundertfünf zusätzliche ärztliche Aufgaben und Pflichten gezeigt, die die Ärzte on top auf die normale Patientenversorgung machen müssen.

00:31:31: Und das ist für Ärzte massiv frustrierend, da müssen wir dran.

00:31:35: Hinzu kommt noch, dass der Kern der Patientenversorgung, visualisieren wir mal eine Walnuss und sagen, die Nuss ist der Kern, dass die Schale drum herum.

00:31:45: Das Geld, was wir für Beratungsunternehmen, für Juristen, für Neuprogrammierung von Finanzierungssystemen usw.

00:31:52: ausgeben, diese Schale wird immer dicker und fordert immer mehr Geld.

00:31:57: Und auch da würde mich meine Untersuchung total interessieren, da gibt es nämlich keine.

00:32:02: Das wäre doch mal eine tolle Aufgabe für Gesundheitsökonomen, eine solche Untersuchung zu machen.

00:32:06: Wie viel Geld fließt eigentlich in die äußere Schale?

00:32:10: Und darüber unterhalten wir uns im nächsten Gehund Gekassentreffen.

00:32:13: Herzlichen Dank, Frau Dr.

00:32:14: Jona.

00:32:15: Danke schön.

00:32:17: Das war Dr.

00:32:17: Susanne Jona, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer und erste Vorsitzende der Ärztinnen und Ärzte Gewerkschaft Marburger Bund.

00:32:25: Unser nächster Gast ist Prof.

00:32:27: Josef Hecken und parteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschuss.

00:32:32: dem obersten Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung in der Gesundheitspolitik.

00:32:37: Ein alter Fahrensmann, wie man so sagt, und ein wirklicher Kenner der Szene mit Erfahrung als Gesundheitsminister des Saarlandes, als Staatssekretär, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Bundesrats und Leiter des Büros des ehemaligen Bundesarbeits- und Sozialministers Norbert Blüm.

00:32:57: Die älteren unter uns werden sich vielleicht erinnern.

00:33:00: Falls ihr Fragen habt, schreibt uns gerne an redaktion.gg-digital.de oder schreibt einen Kommentar bei Spotify.

00:33:09: Das hilft uns mit der Reichweite.

00:33:11: Und natürlich freuen wir uns auch, wenn ihr das G&G-Kassentreffen abonniert.

00:33:14: Mein Name ist Linda Peikert.

00:33:16: Und ich bin Ralf Breitkopf.

00:33:19: Trends und Perspektiven der Gesundheitspolitik beim G&G-Kassentreffen.

00:33:24: Weitere Infos finden Sie unter gg-digital.de.

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